Physiotherapie

Integrative oder ganzheitliche Physiotherapie

Ich betrachte meine Patienten ganzheitlich. Dabei gehe ich davon aus, dass sich Gedanken, Gefühle und Körperreaktionen gegenseitig beeinflussen. Manche Menschen stellen sich in den kalten Regen und bekommen keinen Schnupfen, manche haben eine verschlissene Wirbelsäule oder einen Bandscheibenvorfall und haben keine Schmerzen. Wie kommt das? Die Reaktionsmuster des menschlichen Körpers sind komplex und man muss schon genauer hinsehen, hinhören und hinfühlen, um die Zusammenhänge erkennen zu können.

Wenn der Körper nicht mehr in der Lage ist, sich selbst zu helfen und mit Schmerzen reagiert, liegt aus meiner Erfahrung meist ein Interessenskonflikt vor. Der Körper hat mehrere Probleme gleichzeitig, die sich gegenseitig behindern. Oft muss erst Altes beseitigt werden, damit Neues entstehen oder heilen kann. Die angewendeten Techniken spielen dabei keine so große Rolle – abgesehen davon, dass sie im Rhythmus und in der Intensität zum Patienten passen müssen – sondern das Erkennen von Zusammenhängen.

Meine Ausbildung ermöglicht es mir über unterschiedliche „Kanäle“ in Kontakt mit dem Körper zu treten, nämlich über die Muskulatur, über die Gelenke, über das Bindegewebe, über die inneren Organe, über das Nervensystem oder über das energetische System (Meridiane). Die Auswahl der passenden Technik erfolgt über bestimmte diagnostische Techniken, Intuition, Erfahrung und ständiger Rücksprache mit dem Patienten. Letztendlich bestimmen die Reaktionen des Patienten den Weg und das Ziel.

Lexikon

Methoden aus der Physiotherapie, die meine Arbeit beeinflusst haben:

1. Manuelle Therapie (MT) allgemein
2. MT nach Cyriax
3. MT nach Maitland
4. MT nach Mc. Kenzie
5. MT nach Mulligan
6. Craniosacrale Therapie & Fascial Balancing

7. Viszerale Osteopathie
8. Brüggertherapie
9. Shiatsu
10. Klassische Massage
11. Lymphdrainage
12. Heiße Rolle

1. Manuelle Therapie – allgemein


In der manuellen Therapie arbeitet der Therapeut direkt mit seinen Händen am Patienten, und zwar schwerpunktmäßig an Gelenken, welche in ihrer Funktion gestört sind. Zuerst wird ein Befund erstellt, wobei Gelenke, die ihre natürliche Beweglichkeit verloren haben, aufgespürt werden. Diese Gelenke werden dann direkt durch bestimmte Techniken beHANDelt. In der Regel wird versucht über TRAKTION (Zug), KOMPRESSION (Druck) oder TRANSLATION (Gleitverschiebung im Gelenk), die natürlichen Bewegungsrichtungen wie Drehen, Beugen, Strecken wieder herzustellen, bzw. zu verbessern. Hierbei werden alle Strukturen, die zum Gelenkkomplex gehören, mit beeinflusst. Dazu gehören Knochen, Knorpel, Gelenkkapsel, Sehnen, Muskeln und Bänder. Störungen in einem Gelenk können durch Verletztungen, Fehlhaltungen und Überlastung entstehen.

2. Manuelle Therapie in Anlehnung an Cyriax


In diesem Spezialbereich der MANUELLEN THERAPIE steht die Weichteildiagnostik stark im Vordergrund. Zusätzlich zu den Gelenktechniken spielt die Mobilisation der Muskulatur eine groþe Rolle. Die bekannteste Technik aus dem CYRIAXKOMPLEX ist die sogenannte QUERFRIKTION (Deep friction). Hierbei handelt es sich um eine spezielle Massagetechnik quer zum Verlauf der Muskelfasern, durch die Verklebungen und Vernarbungen aufgelöst werden sollen. Der physiologische Heilungsverlauf einer Muskel-, Sehnen- oder Bandverletzung wird positiv beeinflusst.

3. Manuelle Therapie in Anlehnung an Maitland


Typisch für dieses Konzept sind die intermittierenden, schwingenden Techniken. Die Gelenke werden in einem sanften Rhythmus in vier verschiedenen Intensitäten behandelt. Zunehmende Beachtung findet auch die strukturelle Behandlung des Nervensystems (durch BUTLER erheblich weiterentwickelt). Hierbei wird das Nervensystem weniger in seiner Funktion (Leitung von Impulsen), sondern eher materiell betrachtet. Man untersucht das System auf seine Dehn- und Gleitf”higkeit. Findet man Einschränkungen, werden diese sanft, möglichst unterhalb der Schmerzgrenze, mobilisiert.

4. Manuelle Therapie in Anlehnung an Mc. Kenzie

Mc.Kenzie beschäftigt sich hauptsächlich mit den mechanischen Komponenten eines Bandscheibenvorfalles. Er beurteilt die Ausweichbewegungen und -haltungen des Körpers (v.a. der Wirbelsäule) nach einem bestimmten Schema. Mit speziellen manuellen Techniken, aus unterschiedlichen Ausgangsstellungen, wird versucht die Fehlposition einer Bandscheibe zu korrigieren. Sehr schön sind auch die Übungen, die der Patient selbst ausführen kann. Diese Therapieform ist besonders gut für den ganz akuten Bandscheibenpatienten geeignet.

5. Manuelle Therapie in Anlehnung an Mulligan

In diesem Konzept werden die passiven, manuellen Techniken des Therapeuten durch aktive Bewegungen des Patienten unterstützt. Zum Beispiel hat ein Patient immer Schmerzen, wenn er den Kopf nach rechts dreht. Der Therapeut hat bei der Befunderhebung bemerkt, oder ertastet, dass einer der Halswirbel der Bewegung des Patienten nicht richtig folgen kann. Der harmonische Bewegungsablauf ist gestört. Nun arbeiten der Patient und der Therapeut zusammen: der Patient dreht den Kopf, während der Therapeut gleichzeitig den irritierten Wirbel passiv mitbewegt, bis dieser sich wieder in die Gesamtbewegung integriert.

6. Craniosacrale Therapie & Fascial Balancing


Vor ca. 25 Jahren entdeckte Dr. John Upledger (Amerika) den sogenannten CranioSacralen Rhythmus, an dem bis heute viel geforscht wird. Um dieses Phänomen herum entwickelte sich die CranioSacrale Therapie. Hier werden hauptsächlich bindegewebige Strukturen behandelt. Der Rhythmus, welcher im Bereich des zentralen Nervensystems (also Gehirn und Rückenmark) entsteht, lässt sich von geübter Hand im gesamten Körper ertasten und dient dem Therapeuten als diagnostisches Mittel. Die Frequenz des Rhythmus ist konstant und liegt bei etwa bei 10/min.. Seine Qualität aber unterliegt großen Schwankungen, was mit der Elastizität des Bindegewebes zusammenhängt. Das Bindegewebe kann verbacken oder verkleben, oder sich einfach verspannen. Solche Störungen können durch mechanische oder psychische Verletzungen ausgelöst werden. Der Therapeut kann solche Bereiche ertasten, weil sich der CranioSacrale Rhythmus dort nicht so gut entfalten kann. Durch sanft ausgeführten Zug und Druck versucht der Therapeut nun eine Entwirrbewegung im betroffenen Bindegewebe auszulösen, welche dann zu einer Gewebsentspannung führt. Indirekt scheint dieser Entspannungsvorgang eine Verbesserung der Funktion des zentralen Nervensystems zu bewirken.
Unerklärliche Zustände von Abgeschlagenheit und allgemeinem Unwohlsein verschwinden oft völlig. In Deutschland wurde die CranioSacrale Therapie, welche aus der Osteopathie hervorging durch Groot Landeweer (Lübeck) weiterentwickelt = FASCIAL BALANCING.

7. Viszerale Osteopathie


Patienten mit körperlichen Beschwerden ohne Organbefund machen in der ärztlichen Praxis einen Großteil des Patientenaufkommens aus. Schätzungsweise 30–50% aller körperlichen Beschwerden fallen in diese Kategorie sogenannter funktioneller Erkrankungen (Kroenke 2003).

Die Mehrzahl der Patienten, die sich in den physiotherapeutischen Praxen vorstellen, leiden primär an Beschwerden, die sich im Bereich des Bewegungsapparates äußern. Funktionsstörungen der innerer Organe und orthopädische Probleme können sich aber gegenseitig bedingen oder verstärken.

Bei der viszeralen Osteopathie kommen Techniken zum Tragen, die die Motilität (Eigenbewegung) und Mobilität (Gleitfähigkeit und Beweglichkeit gegenüber benachbarten Strukturen) eines Organs unterstützen. Bei dieser Herangehensweise steht das Organ als Struktur im Vordergrund, aber indirekt kann auch seine Funktionsfähigkeit positiv beeinflusst werden. Außerdem ist zu beobachten, dass sich dieser Behandlungsansatz positiv auf das allgemeine Wohlbefinden des Patienten auswirken kann.

8. Brüggertherapie

Dr. Brügger (Schweiz) geht davon aus, dass man seinem Patienten mehr hilft, wenn man die auftretenden Beschwerden als Schutz- und Warnmechanismen des Körpers betrachtet und nicht als lokales Problem. Die Kunst ist es herauszufinden welche Struktur im Körper geschützt werden soll. Entsprechend wird dann nicht zwingend die schmerzende Stelle behandelt, sondern der Teil des Körpers, welcher das gesamte System durcheinander bringt. Brügger meint, dass eine Vielzahl von Beschwerden auf Fehlhaltungen (krumme Körperhaltung) und Überlastung (z.B. monotone, gleichförmige Arbeiten) zurückzuführen ist.
In der Befunderhebung wird die Wirbelsäule mit dem sogenannten TH-5-WIPPEN auf ihre Beweglichkeit gestestet. Zusätzlich stehen dem Therapeuten einige Muskeltests zur Verfügung. In der Therapie wird viel mit feuchter Hitze (Heiße Rolle) gearbeitet. Für das Selbstübungsprogramm wird hauptsächlich ein elastisches Latexband (Theraband) verwendet.

9. Shiatsu


Shiatsu ist eine Massagetechnik, die auf der alten chinesischen Diagnostik basiert, ähnlich wie die Akupunktur, nur dass in diesem Falle ausschließlich die Hände des Therapeuten als Behandlungsinstrument dienen. Im Anschluss an eine ausführliche Befragung des Patienten, welche auch sein Alltagsverhalten und seine Essgewohnheiten einbezieht, erfolgt eine Art Tastbefund, um sich ein Bild vom energetischen Zustand des Patienten zu machen und eventuelle Ungleichgewichte aufzuspüren. Die Behandlung erfolgt auf dem Boden. Dabei umwandert der Therapeut den Patienten, während er mit seinen Händen (oder Knien) Druck auf die Meridiane (Energiebahnen) des Patienten ausübt um diese zu hamonisieren. Die Behandlung dauert etwa 50 Minuten. Zusätzlich kann der Therapeut Tipps zu sinnvollen Dehnungsübungen oder Ernährungsumstellungen anbieten, welche den Heilungserfolg unterstützen können.

10. Klassische Massage

Die klassische Massage dient der Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens und wirkt auf Körper und Seele. Ziel ist es zu entspannen, entschwellend zu wirken und die Durchblutung zu erhöhen. Hierzu stehen dem Therapeuten verschiedene Techniken zur Verfügung:

  1. Streichungen zur Verbesserung des lymphatischen Abflusses
  2. Rollungen, um Verklebungen zu lösen
  3. Zirkelungen gegen lokale Verspannungen
  4. Reibungen zur Verbesserung der Durchblutung
  5. Knetungen zur Muskelentspannung
  6. Klopfungen zur Entschlackung des Gewebes
  7. Vibrationen zur allgemeinen Entspannung
  8. Schüttelungen

Im Bereich der Physiotherapie werden klassische Massagegriffe fließend in die Therapie integriert.

11. Lymphdrainage

Bei der Lymphdrainage handelt es sich um eine sanfte manuelle (mit den Händen ausgeführte) Therapie entlang der Lymphbahnen, mit dem Ziel der Gewebeentstauung. Der Patient befindet sich in einer möglichst entspannten und schmerzfreien Ausgangsstellung, während der Therapeut versucht das Lymphatische System durch gezielte Druck- und Streichtechniken zu stimulieren und seine Funktion zu reaktivieren. Diese Therapieform kann bei Schwellungen unterschiedlichster Ursache und Lokalisation eingesetzt werden, z.B. nach Verletzungen, Operationen oder allgemeiner Insuffizienz (Unterfunktion) des Lymph- und Venensystems. Zusätzlich werden, wenn nötig, Druckverbände und bestimmte Übungsabläufe eingesetzt.

12. Heiße Rolle

Für die heiße Rolle wird ein Handtuch zylinderförmig zusammengerollt und mit kochendem Wasser getränkt. Der Therapeut rollt nun das Handtuch über das Behandlungsgebiet.
Feuchte Hitze wirkt entschwellend. Das Gewebe wird für die eigentliche Therapieform in Anschluss zugänglicher. Der Patient bekommt etwas Zeit, anzukommen und zu entspannen und kann sich dann besser auf die Behandlung einlassen.